Stimme des Monats, Frühling 2010:
Philipp Probst, Lastwagenchaffeur


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Ich trage jeden Tag Gehörschutz. Natürlich nicht zum Fahren. Die Zeiten, als der spätere „Tatort“-Kommissar Manfred Krug in der Kult-Serie „Auf Achse“ mit seinem Brummi noch richtig Lärm machte, sind längst vorbei. Heute herrscht in der Kabine eines Lastwagens PW-Feeling. Das einzige, was da drin noch laut ist, ist allenfalls das Radio.

Da ich aber Baustoffe wie Zement oder Gips in Silos transportiere, kann es beim Abladen lärmig werden. Denn dann muss ich das Silo kippen und das Schüttgut mit Pressluft aus dem Behälter blasen. Dazu „tschätteret“ ein Kompressor. Mindestens eine Stunde lang. So ein Kompressor ist etwa so laut wie ein Presslufthammer. Und wenn mal ein Malheur passiert, ein Ventil sich öffnet und die Luft rauspfeift, dann ist das so laut und penetrant als würden sämtliche Pfyffer einer grossen Clique zusammen das hohe A trällern – da ist der Tinnitus nicht weit! Ich spiele selbst Piccolo. Natürlich mit Gehörschutz.

Bei meiner Arbeit kommt erschwerend dazu, dass ich meistens an Orten ablade, wo der Lärmpegel auch ohne meinen Kompressor schon sehr laut ist. Beispielsweise braucht es zur Zementherstellung eine Mühle. Dort drin wird mit Bleikugeln das gebrannte Vorprodukt, sogenannter Klinker, zu einem Pulver zertrümmert. Und ich steh mit meinem Lastwagen daneben und höre jede einzelne Bleikugel gegen die Eisenwand der Mühle knallen.

Hören ist etwas Wunderbares. Stille hören erst recht. Manchmal fahre ich stundenlang mit dem Lastwagen – ohne Radio zu hören. Das leise Brummen des Motors. Das dumpfe Geräusch der Pneus auf dem Asphalt. Der Wind, der um die Kabine pfeift. Dann fliegen die Gedanken. Dann sind sie frei.


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